William Niven

Beitrag von Atlantisforschung.de

Forscherportrait

Abb. 1 William Niven (1850-1937)

Abb. 1 William Niven (1850-1937)

(red) William Niven (Abb. 1) (*2. Oktober 1850 – ✝2. Juni 1937) war ein Mineraloge und Archäologe. Bekannt wurde dieser in Schottland geborene Forscher, der 1879 in die USA auswanderte, vor allem durch seine Entdeckung der Minerale Yttrialit, Thorogummit], Aguilarit und Nivenit (nach ihm benannt) sowie aufgrund seiner archäologischen Ausgrabungen in Mexiko. Aufgrund der ungewöhnlichen – und naturgemäß umstrittenen – Ergebnisse dieser Grabungen stößt Nivens Werk noch heute im Bereich der alternativen Ur- und Frühgeschichtsforschung auf nachhaltiges Interesse.

Mineralogische Entdeckungen

Seinen ersten größeren Beitrag zur Mineralogie leistete William Niven im Jahr 1889 im Verlauf einer Expedition im Llano County, Texas, die er im Auftrag von Thomas Alva Edison unternahm. Niven war dort auf der Suche nach dem Mineral Gadolinit, das damals für Glühfäden von Straßenlaternen genutzt wurde. Bei dieser Gelegenheit stieß er auf drei neue Mineralien, Yttrialit, Thorogummit, und Nivenit. In den 1890er Jahren entdeckte er bei seinen Forschungsreisen in Mexiko as Mineral Aguilarit. Zudem stieß er bei Explorationen in New York und New Jersey auf zuvor unbekannte Lagerstätten anderer seltener Minerale.

Archäologie in Mexiko: Nivens missliebige Funde

Abb. 2 Einige der vielen exotischen Figurinen, die William Niven im Tal von Mexiko entdeckte. Diese 'lästigen' Spezimen wurden später von Vertretern des archäologischen Mainstreams voreilig als Fälschungen abgetan.

Abb. 2 Einige der vielen exotischen Figurinen, die William Niven im Tal von Mexiko entdeckte. Diese ‚lästigen‘ Spezimen wurden später von Vertretern des archäologischen Mainstreams voreilig als Fälschungen abgetan.

Während seiner Reisen durch Mexiko entwickelte William Niven auch ein starkes Interesse an der Archäologie, mexikanischen Altertümern und den Ausgrabungen, die dort zu jener Zeit durchgeführt wurden. Mit eigenen Grabungen begann er im mexikanischen Bundesstaat Guerrero, wo er zudem auch die erste wiederentdeckte Xochipala-Statuette erwarb. Aufgrund der Wirren bei Ausbruch der Mexikanischen Revolution im Jahr 1910 war er jedoch gezwungen, seine archäologische Arbeit ins Tal von Mexiko zu verlagern.

Dort stießen er und sein Team noch im selben Jahr im Verwaltungsbezirk Atzocapotzalco auf altertümliche Relikte, die offenbar zu einer unbekannten Kultur gehörten, die lange vor den Tolteken und Azteken diese Region besiedelt hatte. Niven bemerkte dazu vorsichtig, dass „diese altertümlichen Überbleibsel zu der Vorstellung zu passen scheinen, sie seien von einer Rasse hinterlassen wurden, welche allen Vorgaben der Legende von Atlantis gerecht wird.[1]

1911 entdeckte er bei der Untersuchung von Lehmgruben [2] zwischen den Ortschaften Texcoco und Haluepantla, die sich direkt im Norden von Mexiko Stadt über ein Areal von mehr als zehn Quadratmeilen erstrecken, Spuren kataklysmischer Flutwellen, die das Tal von Mexiko in Intervallen von mehreren Jahrtausenden überrollt zu haben scheinen. Zwischen den diversen Schichten aus Kies, Geröll und Lehm, die vermutlich von diesen Mega-Tsunamis dort abgelagert wurden, fanden sich in ca. 10 Meter Tiefe nicht nur uralte Artefakte – Niven schätzte die in den am tiefsten gelegenen Strata entdeckten Objekte auf ein Alter von 50.000 (!) Jahren – sondern auch architektonische Relikte mehrerer weit prähistorischer Städtebauer-Kulturen. [3]

Abb. 3 Die Skizze einer Schmuck-Tafel, welche William Niven in einer Grabstätte am Rio del Oro, bei der Ortschaft Placeres del Oro im mexikanischen Bundesstaat Guerrero entdeckte. Ihre Länge betrug ca. 0,71 m, ihre Breite 46 cm, und sie war 5 cm dick.

Abb. 3 Die Skizze einer Schmuck-Tafel, welche William Niven in einer Grabstätte am Rio del Oro, bei der Ortschaft Placeres del Oro im mexikanischen Bundesstaat Guerrero entdeckte. Ihre Länge betrug ca. 0,71 m, ihre Breite 46 cm, und sie war 5 cm dick.

Dazu heißt es bei David Hatcher Childress: „Vier bis sechs Fuß unter dem ersten Pflaster„, auf das er gestoßen war, „entdeckte Niven, wie er erklärt, einen >Betonboden<, aber er konnte kein Töpfergut oder andere Anzeichen für eine Besiedlung in den Schichten zwischen den Böden finden. Unter dem zweiten Pflaster stieß er, wie er beschreibt, auf eine Schicht aus Asche von zwei oder drei Fuß Dicke. Unterhalb dieser wohldefinierten Ascheschicht befanden sich Spuren einer ausgedehnten Stadt, die einheitlich auf der selben Ebene in mehr als 100 der Tongruben zum Vorschein kamen. Die meisten der Häuser waren eingedrückt und zerstört, doch in einem von ihnen fand er eine gewölbte hölzerne Tür, die petrifiziert und zu Stein geworden war.

Die Mauern dieses Hauses wurden von einem weißen Zement zusammengehalten, welcher härter als der Stein selbst war. In einem nicht zerschmetterten Raum von etwa 30 Quadratfuß Größe, der voller vulkanischer Asche war und ein Dach aus Beton und Steinen hatte, stieß Niven, wie er sagt, auf viele Artefakte und menschliche Knochen, welche >bei Berührung zerkrümelten wie gelöschter Kalk<. Wie er angab, habe er auch eine komplette Goldschmiede-Ausstattung gefunden, sowie etwa 200 aus Lehm geformte Modelle von Figuren und Idolen, die alle dick mit Eisen ummantelt waren […]

Niven sagt, dass sich auf den Wänden Fresken befanden, die mit einer Art natürlichem Wachs konserviert und so ausgezeichnet waren, wie etruskische, griechische oder ägyptische Arbeiten, die er gesehen hat. Unter dem Fußboden fand Niven eine drei Fuß tiefe, mit Stein ausgekleidete Grabstätte, in der sich fünfundsiebzig Knochenstücke befanden – alles, was von dem Skelett übrig geblieben war. In einem großen Fragment des Schädels steckte das Blatt einer gehämmerten Kupfer-Axt, welches die Todesursache gewesen zu sein scheint, da es nicht entfernt worden war. Niven fand in dem Grab 125 kleine Terrakotta-Figürchen, Idole, Schalen und andere Objekte, einige davon mit bärtigen Gesichtszügen, die ausgesprochen phönizisch oder semitisch wirkten. Weniger als drei Meilen entfernt von dieser Stätte fand Niven ein altertümliches Flussbett, in dessen Sand und Kies sich, wie er sagt, tausende von Terrakotta-Figuren befanden, deren Gesichter >alle Rassen des südlichen Asien< repräsentierten[4]

Abb. 4 Einige der von Niven im Tal von Mexiko entdeckten Steintafeln (aus: "Children of Mu" von James Churchward)

Abb. 4 Einige der von Niven im Tal von Mexiko entdeckten Steintafeln (aus: „Children of Mu“ von James Churchward)

Im Jahr 1921 sieß William Niven im Verlauf seiner weiteren Grabungen bei dem Dorf Santiago Ahuizoctla, etwa fünf Meilen nordwestlich von Mexiko Stadt, in einer Tiefe von ca. 3,60 m auf die ersten von mehreren hundert Tafeln aus Andesit, die mit seltsamen Piktogrammen beschriftet waren. (Abb. 4)Bei der systematischen Untersuchung weiterer Lehmgruben und Tepetate-Steinbrüchen innerhalb eines Areals von zwanzig Quadratmeilen war er nach eigenen Angaben in der Lage, im Verlauf der folgenden zwei Jahre 975 weitere Tafeln auszugraben. Am Ende hatte er, wie er erklärte, 2600 von ihren gefunden. Bei seiner Schätzung ihres Alters schloss Niven aus der Tiefe, in der sie begraben lagen, sowie aus der Menge von Geröll, das über ihnen abgelagert war, dass sie mehr als 12.000 Jahre, wahrscheinlich sogar eher 50.000 Jahre alt waren. Niven numerierte jede Tafel sorgfältig in der Reihenfolge, in der er sie gefunden hatte. […]

Niven zeigte Sylvanus G. Morley, dem Top-Mayaforscher seiner Zeit, gezeichnete Kopien der Tafeln, und der erklärte ihm, dass die Symbole darauf (Abb. 5) nichts ähnelten, was er jemals zuvor gesehen hatte. Niven fertigte Zeichnungen von allen Tafeln an und schickte sie seinem Freund und Freimaurer-Kollegen James Churchward, einem britischen Colonel, der in Indien gelebt sowie den Pazifik und Südamerika bereist hatte und bald darauf seine populären Bücher über den verschollenen Kontinent Mu schreiben sollte.

Abb. 5 Einige der nicht zu entziffernden Glyphen, die auf den Niven-Tafeln abgebildet waren.

Abb. 5 Einige der nicht zu entziffernden Glyphen, die auf den Niven-Tafeln abgebildet waren.

Churchward war nicht überrascht, dass keiner der Archäologen, denen Niven die Tafeln gezeigt hatte, sie lesen konnte. Andererseits erkannte er Symbole und Designs wieder, die er auf einem anderen Satz Tafeln in einer geheimen Bibliothek in einem Kloster im Himalaya gesehen hatte. Churchward erklärte, dass sie als Naacal-Tafeln bezeichnet werden, und dass sich darauf heilige Schriften von Mu befinden. Churchward war begeistert von Nivens Tafeln.“ Er „kam zu dem Schluss, dass sie das Werk von Kolonisten aus Mu seien, die vor zehntausenden von Jahren existierten. Zu Nivens Unglück half ihm seine Verbindung mit Churchward, die ihn immerhin davor bewahrte, in archäologischer Hinsicht völlig in Vergessenheit zu geraten, nicht gerade dabei, auf dem Feld akademischer Archäologie irgendeine Anerkennung zu gewinnen…[5]

Tatsächlich erleichterte es Churchwards Bezugnahme auf William Nivens Funde dem akademischen Establishment, diese in Bausch und Bogen zu verwerfen. Jedenfalls waren seine ‚Paradigmen sprengenden‘ Entdeckungen in jenen Kreisen – ähnlich wie die so genannten Acambaro-Objekte und die ‚Steine von Ica‚ – der archäologischen ‚Orthodoxie‘ derart lästig, dass sie fast umgehehend diskreditiert wurden. [6] Die Niven-Tafeln mit ihren weiterhin unentzifferbaren Piktogrammen und Glyphen waren noch eine Weile Gegenstand harscher Kontroversen, welche die letzten Lebensjahre des in Ungnade gefallenen Wissenschaftlers überschatteten, und dann breitete man den Mantel des Schweigens darüber. Dies wurde auch dadurch begünstigt, dass ein Großteil seiner Sammlung – das Fundgut seiner Grabungen bei Santiago Ahuizoctla, Hacienda de Leon, Remedios und Chimpala [7] – spurlos verschwand.

Zumindest ein Teil des Nachlasses von William Niven befindet sich aber noch heute – ignoriert und unausgewertet – in Verwahrung des American Museum of Natural History. Dazu schrieb der Wissenschafts-Historiker Dr. Horst Friedrich 1997: „In einem Brief vom 13.6.1980 an den Verfasser [H.F.] bestätigte zwar der Kurator des American Museum of Natural History, Gordon Ekholm, dass viele der von Niven ausgegrabenen Artefakte, auch Tagebücher und Fotos noch in der Verwahrung des Museums seien. Es wurde aber bisher nicht nachgeforscht, ob sich darunter auch die Überreste von dieser speziellen Nivenschen Ausgrabungsstätte [d.h. seiner ‚verlorenen Stadt‚ d.Red.] befinden. Momentan lässt sich also nicht sagen, in welchem Erdzeitalter diese Stadt – und die Zivilisation, von der sie Teil war – existiert haben könnte.[8]

Anmerkungen und Quellen

Verwendetes Material:

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