Zentralebene

„Wie im vorigen von der Verlosung unter den Göttern erzählt wurde, dass sie die ganze Erde teils in großen und teils in kleinen Stücken unter sich verteilten und sich Heiligtümer und Opfer stiften ließen, so fiel nun auch Poseidon durch das Los die Insel Atlantis zu.

Dort siedelte er seine Nachkommen, die er mit einem sterblichen Weibe gezeugt hatte, an einer bestimmten Stelle der Insel an, die etwa folgendermaßen aussah.

Am Meere, etwa in der Mitte der ganzen Insel, lag eine Ebene; man sagt, sie sei die schönste aller Ebenen gewesen und von reichlicher Fruchtbarkeit. Am Rande dieser Ebene, etwa fünfzig Stadien gegen das Innere der Insel zu, erhob sich ein durchweg niedriges Gebirge. Dort oben hatte sich einer der Menschen angesiedelt, die zu Anbeginn in jener Gegend aus der Erde entstanden waren.“

Platon, Kritias

 

„Über die Stadt und wie es um die Residenz herum nach deren Gründung aussah, habe ich nun so ziemlich das berichtet, was man damals überliefert hat. Und nun muss ich zu erzählen versuchen, wie das übrige Land von Natur beschaffen war und welcher Art seine Einrichtungen waren.

Zunächst einmal soll das ganze Land sehr hoch gelegen und vom Meer steil aufgestiegen sein; nur um die Stadt herum sei eine große Ebene gewesen und habe diese rings umgeben. Sie war aber ihrerseits wieder rundum von Bergen umkränzt, die sich bis zum Meer erstreckten; es war eine flache und gleichmäßige Ebene, als Ganzes von länglicher Form, die sich in der Länge auf beiden Seiten über dreitausend Stadien (192m x 3000 = 576km), in der Breite, vom Meere aufwärts, über zweitausend Stadien (192m x 2000 = 384km) ausdehnte. Dieser Teil der ganzen Insel lag gegen Süden zu, gegen den Nordwind abgeschirmt.

(Anmerkung: 576km x 384km trifft heutzutage nicht mehr zu. Da dieser Bereich geologisch sehr aktiv ist, ist es möglich das es zu Zeiten des Pleistozän andere Ausmaße hatte bzw. mit den angrenzenden Täler von Puebla und Toluca eine Einheit bildete. Möglicherweise ist auch ein Fehler unterlaufen und es sind 300 x 200 Stadien bzw. 57,6km x 38,4km was auf heutige Gegebenheiten zum Teil übertragbar wäre.)

Von den Bergen, die ihn umgaben, rühmte man seinerzeit, dass sie an Anzahl und Größe und Schönheit alle heutigen übertroffen hätten, und es habe auf ihnen viele reiche Dörfer der ringsum wohnenden Bevölkerung gegeben, und Flüsse und Seen und Wiesen mit genügender Nahrung für alle Haustiere und alles Wild, und einen Waldbestand, der in seiner Ausdehnung und mit seinen mannigfachen Holzarten das Material für alle Arbeiten im gesamten und zu allen Zwecken in reichem Maße lieferte.

Diese Ebene nun war von Natur und durch die Arbeit vieler Könige im Verlauf einer langen Zeit auf folgende Weise ausgestaltet worden. Im großen und ganzen bildete sie ein lang gestrecktes Rechteck; wo die Seiten nicht gerade verliefen, waren sie durch einen Graben, den man ringsum ausgehoben hatte, gerade gerichtet. Wenn uns einer sagt, wie tief und wie breit und wie lang dieser gewesen sei, so kann man fast nicht glauben, dass dieses von Menschenhand geschaffene Werk, verglichen mit anderen Bauwerken dieser Art, solche Größe gehabt habe; und doch muss ich erzählen, was ich gehört habe.

Ein Plethron tief wurde der Graben ausgehoben; seine Breite betrug überall ein Stadion, und da er rings um die ganze Ebene herum gezogen war, ergab sich eine Länge von zehntausend Stadien. Er nahm alle Wasserläufe, die von den Bergen herab kamen, in sich auf (siehe Tetzcotzingo), und nachdem er um die Ebene herum geführt und sich der Stadt von beiden Seiten genähert hatte, ließ er sie dort ins Meer fließen. Von seinem oberen Laufe (landeinwärts) her waren aber in gerader Richtung Kanäle von etwa hundert Fuß Breite in die Ebene eingeschnitten, die in der Gegend des Meeres wieder in den (großen) Graben mündeten und voneinander hundert Stadien entfernt waren. Auf diesen führten sie das Holz aus den Bergen in die Stadt, und auch die übrigen Produkte brachten sie auf ihren Schiffen zur Erntezeit heran, weshalb sie Querverbindungen von den einzelnen Kanälen in die anderen und zu der Stadt hin gegraben hatten.

 

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Die Ebene von Atlantis. Skizze von Nikolai Zhirov

Somit konnten sie auf ihrem Land zweimal im Jahr Ernte halten: im Winter dank dem Regenwasser, das Zeus ihnen spendete, und im Sommer dank dem Wasser, das ihnen das Land selbst bot, indem sie es aus den Kanälen zuleiteten.“

Platon, Kritias

„Auf flachem Land betrieb man dagegen Bewässerungsfeldbau, meist auf sogenannten Chinampas. Die Chinampas waren Anbauflächen, die aus dem sumpfigen Boden gewonnen wurden und aufgrund ihrer günstigen Bodenfeuchtigkeit häufig mehrere Ernten im Jahr ermöglichten.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Azteken#Landwirtschaft

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Texcoco-See vor der spanischen Eroberung.

(Anmerkung: Vermutlich wurde die Ebene nicht komplett kanalisiert sondern die vorhandenen Seen mit Hilfe von Chinampas bewirtschaftet und besiedelt. Wie es die nachfolgenden Kulturen ebenfalls gemacht haben. Die dazwischen liegenden Wasserstrassen sind die obengenannten Kanäle. Andere Variante wäre das die Ebene tatsächlich kanalisiert wurde und durch den Untergang / Sintflut das Seensystem entstand. Somit Atlantis bzw. die Zentralinsel also wirklich dauerhaft versunken ist. )

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Boote auf Kanälen zwischen Chinampas.

Ein Beispiel für die oben genannten Quellen…

„Er nahm alle Wasserläufe, die von den Bergen herab kamen, in sich auf, und nachdem er um die Ebene herum geführt und sich der Stadt von beiden Seiten genähert hatte, ließ er sie dort ins Meer fließen.“

Platon, Kritias

…finden wir z.B. in Tetzcotzingo.

„Von einer in einer Höhe von 2750 m gelegenen Quelle rund 5 km südöstlich des Tetzcotzingo wurde das Wasser über höhenlinienparallele Kanäle zum Tetzcotzingo geführt. Hierbei wurde der östlich des Tetzcotzingo gelegenen Cerro Metecatl beinahe komplett umrundet. Anschließend gelangte das Wasser über mehrere Reservoire und Becken zu einem großen, heute rekonstruierten Aquädukt von 160 m Länge zum Cerro Tetzcotzingo geleitet. Die Aquäduktdämme bestanden aus einer breiten Steinaufschüttungen und einem schmaleren gemauerten Damm, auf dessen Krone der verhältnismäßig schmale eigentliche Kanal verlief. Die Kanäle waren aus nicht zugerichteten Steinen aufgemauert und vermutlich innen mit Kalkmörtel verkleidet.

Das Wasser der Quelle wird heute auf rund 1 km Länge durch den alten Kanal geleitet, danach durch einen sehr langen, vermutlich ebenfalls alten Kanal, der bis in die Ebene führt.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Tetzcotzingo#Das_Zuleitungssystem

Das Seensytem im Tal von Mexico zur Zeit des Pleistozän, ist hierbei das von Platon genannte Meer.

„Im Pleistozän erstreckte sich dieses Seensystem über eine weitaus größere Fläche. Es gab mehrere Paläoseen, die von Zeit zu Zeit miteinander in Verbindung standen. Im Norden der modernen Siedlung Tocuila gibt es ein großes Paläofeld, in dem sich zahlreiche Hinweise auf eine reichhaltige pleistozäne Fauna finden.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Texcoco-See#Ur-_und_Fr.C3.BChgeschichte

Damals war es vermutlich mit dem Meer vebunden was sich noch im Salzgehalt des damaligen Texcoco-Sees wiederspiegelt.

„Der Texcoco-See ist ein – mittlerweile beinahe gänzlich trockengefallener – See im Süden des Tals von Mexiko. Als Endsee verfügte er über keine Abflüsse; sein Wasser war auch wegen der starken Verdunstung stark salzhaltig. Ursprünglich nahm er einen großen Teil des Anahuac-Tals ein und bildete zusammen mit dem Xaltocan-See, dem Zumpango-See, dem Chalco-See und dem Xochimilco-See ein größeres Seensystem.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Texcoco-See

Quelle:

http://atlantisforschung.de/index.php?title=Kritias

https://de.wikipedia.org/wiki/Chinampa

https://de.wikipedia.org/wiki/Texcoco-See

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